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patCHquilt Bulletin Nr. 87 Winter 2010

Patchwork im Spiegel der Zeit – Weihnachts-Stern-Blöcke

Vorpsann: Zahlreiche Ideen für Weihnachtsdekorationen finden wir in Büchern und Zeitschriften. Darunter sind unzählige Sternenmuster in vielen verschiedenen, auch modernen Variationen. Diese interessanten Interpretationen haben Olga Späth auf den Gedanken gebracht, mehr über traditionelle Patchworkblöcke zu erfahren und zu erkunden, wie früher mit dem Thema Sterne umgegangen wurde.

Der Patchworkblock ist eine der ältesten Formen der Kunstdarstellung. Es existieren von Webmaschinen gewobene Stoffe, die schon im Altertum aus Blöcken bestehende Muster hatten.

Wurden die ersten Blöcke gewoben oder gepatcht?

Bei solchen Künsten und Handwerksfertigkeiten, deren Wurzeln Jahrtausende zurückliegen und Produkte nicht erhalten werden konnten, ist es sehr schwer abzuschätzen, wann sie genau entstanden sind.

Um der Entstehung nachzuspüren wird oft in solchen Fällen eine argumentierte Hypothese eingesetzt. Die basiert auf:
  • archäologischen Funden,
  • Abbildungen auf Werken der jeweiligen Zeitperiode (Vasen- oder Wandmalerei),
  • historischen Beschreibungen aus Literaturquellen und
  • alten Methoden, die in den Traditionen der gegenwärtigen Zivilisation erhalten geblieben sind oder von Volksstämmen praktiziert werden.
Trotz all dieser Methoden gibt es in vielen Ländern nur wenige Fakten und Befunde über die Weberei. Ägypten ist dabei eine Ausnahme. Die Entwicklung der Weberei in diesem Land kann seit 3400 v. Chr. Verfolgt werden. Die in Ägypten verbreitete Mumifizierungsmethode und besondere klimatische Bedingungen, die den Erhalt vieler Gräber ermöglichten, brachten der Welt bedeutende praktische Befunde über das Leben und die Gewohnheiten der alten Ägypter. Einige überlieferte Denkmäler der ägyptischen Malerei geben uns die Möglichkeit, die Entwicklung der Weberei in Ägypten zu beurteilen.

In Museen weltweit werden viele Textilien mit Ornamenten aufbewahrt, die ca. aus dem Jahr 1500 v. Chr. stammen. Dazu kommen auch andere Quellen: An der Wand des Schlafzimmers im Hauptpalast in Achet-Aton, der Hauptstadt des Pharaos Amenhotep des IV., sind Stoffüberreste mit Abbildungen der auf Kissen sitzenden Töchter des Pharaos erhalten geblieben. Das Muster auf den Kissen stellt parallel angeordnete Rauten in blauer und rosa Farbe dar (ähnliche Stoffmuster wurden auch im Grab von Parennefer in Achet-Aton entdeckt). Ausser den Stoffen mit verschiedenen geometrischen Mustern wurden auch Stoffe mit komplizierteren Ornamenten entdeckt.

Ägypter sind Meister der Weberei
Die Menschen im alten Ägypten beherrschten die Kunst der Weberei auf sehr hohem Niveau. Setzen wir heute moderne Technologien ein, können wir oft die Qualität der altägyptischen Textilwerke nicht erreichen. Einige Textilgewebe der ägyptischen Mumien haben eine Fadendichte von über 200 Fäden pro cm. Trotz unserer moderner Technik erreichen heute gewebte Stoffe maximal nur eine Dichte von 150 Fäden pro cm.

Da die Webtechnik im alten Ägypten so weit entwickelt war, kann mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, dass die gepatchten Blöcke nach den gewobenen entstanden sind.

Die Kunst des Patchens
Die Kunst des Zusammennähens verschiedener Stoffe lässt sich in historischen Chroniken bis ins 11. Jahrhundert nachweisen. Da aber Textilien aus vergänglichem Material bestehen, sind die Daten und Orte der Entstehung der Patchwork-Technik kaum genau feststellbar. Es kann durchaus möglich sein, dass die Patchwork-Technik in mehreren Ländern gleichzeitig entstanden ist. Der Grund ihrer Entstehung war oft Armut und Sparzwang.

Ohne Zweifel sind Patchwork-Blöcke der wichtigste Bestandteil der englischen Patchwork-Technik. Einer der ältesten traditionellen englischen Quilts wurde im Jahre 1718 gefertigt.

Die Patchwork-Technik erreichte zudem in Amerika eine hohe Verbreitung. Die Einwanderer aus Europa brachten diese Kunst mit sich, entwickelten sie weiter und verliehen ihr mit der Zeit den markanten amerikanischen Stil. Aus dem 17. – 18. Jahrhundert sind nur wenige Beispiele von amerikanischen Quilts erhalten geblieben. Die überlieferten Reste aus dieser Zeitperiode weisen den Einfluss des europäischen und englischen Stils auf. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde es zu einer merkbaren (grösstenteils amerikanischen) Tradition, mit Patchwork-Blöcken zu arbeiten. Es wurde zu einer Form der amerikanischen, handwerklichen Volkskunst, die bis in die heutige Zeit, insbesondere in ländlichen Gebieten, ein wichtiger Brauch ist.

Traditionelle Blöcke
Ich durchstöberte meine Bücher und suchte im Internet nach Informationen über traditionelle Blöcke. Die grosse Anzahl der gefundenen Sternenblöcke bereitete mir Probleme. Welche Blöcke soll ich auswählen? Wer hätte gedacht, dass ich gleich mehr als 600 verschiedene Patchwork-Blöcke finden würde, die das Wort Stern in ihrem Namen beinhalten. Es ist sicher keine vollständige Sammlung, aber schon die von mir gefundenen Blöcke würden reichen, ein ganzes Buch zu füllen. Aufgrund der Komplexität dieses Themas kann ich nicht den Anspruch erheben, alles zu wissen und weitergeben zu können. In Amerika wird dieses Thema schon fast wissenschaftlich bearbeitet, Blöcke und deren Namen werden gesammelt, kategorisiert und katalogisiert. Es wird auch nachgeforscht, wann ein Block zum ersten Mal in Erscheinung trat und wer diesen entwickelt hat. Das ist keine leichte Aufgabe, weil Hefte und Zeitungen schon seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts begannen, Patchworkblöcke abzudrucken. Ab 1880 wurden neue Blöcke abgedruckt, die sich stark von den klassischen, englischen Mustern unterschieden. Diese neuen Typen von Bildern wurde von den Lesern mit grossem Enthusiasmus aufgenommen. Nach einiger Zeit begannen die Leser eigene Kreationen den Zeitungen zukommen zu lassen, die diese dann veröffentlichten.

Da wir uns nun an der Schwelle zu Weihnachten befinden, habe ich mich entschlossen, das Thema einzugrenzen und nur Blöcke mit dem Namen “Weihnachtsstern” zusammen zu stellen.


Block No. 1
Der Block No. 1 wurde unter dem Namen “Weihnachtsstern” erstmalig in einem Heft der “Home Art Studios” abgedruckt. Die “Home Art Studios” waren in Des Moines (Iowa) ansässig und ihre Ausgaben wurden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts per Post nach Hause versandt.

Aber diesen Block findet man auch noch unter anderen Namen: Verketteter Stern (Chained Star) oder Reiz der Rhomben (Diamond Beauty Quilt). Es ist üblich, dass viele Blöcke gleich mehrere Namen haben. Meistens gilt, je populärer ein Block ist, desto mehr Namen hat er. Es gibt sogar einige, die zehn verschiedene Namen haben.

Die nächsten zwei Sterne (No. 2 und No. 3) wurde im “Kansas City Star”gedruckt. Das Heft hat zwischen 1928 und 1960 viele Blöcke veröffentlicht. Durch das Abdrucken der zugesandten Leserblöcke hatte auch der “Kansas City Star” in den 1930er Jahren seinen Inhalt erweitert. Ich muss darauf hinweisen, dass der KCS im Unterschied zu anderen Heften zugesandte Blöcke abdruckte, die damals schon seit 50 oder sogar 100 Jahren in Familienbesitz waren und nie zuvor veröffentlicht wurden.


Block No. 2
Block No. 2 wurde vom KCS 1931 veröffentlicht. Der Autor ist leider unbekannt.

Block No. 3 ist einer von vielen Blöcken, der in mehreren Quellen erscheint. Es ist sicher, dass er im KCS gedruckt wurde, aber es ist nicht klar, in welchem Jahr die Veröffentlichung stattfand. Der gleiche Block wurde auch 1950 im Heft „WorkBasket“ vorgestellt.

Block No. 3


Block No. 4
Block No. 4 Unter dem Namen Rotes Kreuz wurde der Block No. 4 im “Hearth & Home” abgedruckt. Als Weihnachtsstern wurde dieses Muster im “The Oklahoma Farmer Stockman” veröffentlicht.


Leider ist die Katalogisierung und Systematisierung von Blöcken sehr schwierig und nicht immer ist es möglich die Quellen zu finden. Oft hat der gleiche Block gleich mehrere Namen oder man findet unterschiedliche Blöcke unter dem gleichen Namen. auch wurden sie zu unterschiedlichen Zeiten in verschiedenen Heften veröffentlicht, genaue Infos von älteren Blöcken sind daher nur mit grossem Aufwand auffindbar.


Block No. 5
Block No. 5 ist zum Beispiel genau so einer. Man kann nur sagen, dass der Titel Weihnachtsstern ist.

Über Block No. 6 gibt es auch nicht viel mehr Informationen. Den Block nennt man neben Weihnachtsstern auch noch Leuchtender Stern, aber genauere Quellen oder Autoren kennt man nicht.


Block No. 6

Block No. 7 ist im deutschsprachigen Raum unter dem Namen Weihnachtsstern bekannt.

In englischen Quellen wird dieser Block Poinsetti Star genannt. Es geht um die Blume Euphorbia pulcherrima, die auf deutsch nicht nur Weihnachtsstern, sondern auch Adventsstern oder Christstern heisst. Die Blume, die in der Adventszeit rot blüht, kündigt an, dass Weihnachten bald kommt.


Block No. 7


Block No. 8
Block No. 8 von Ursula Michael wurde in „Quilt World“ 1988 veröffentlicht.

QW ist ein Pereodikum, das seit 1976 publiziert.

Seit einiger Zeit werden zusätzliche Informationen angegeben, so dass man auch meist die Autoren der Blöcke herausfinden kann, wofür dieser Block ein gutes Beispiel ist.


In der heutigen modernen Zeit werden neben neuen Techniken auch immer wieder neue Blöcke entwickelt. Man kann sagen, dass es wohl nie aufhören wird. Es existieren bereits tausende Blöcke und es wird trotzdem immer noch versucht, etwas Neues zu kreieren. Als ich dieses Thema recherchiert habe, bin ich im Internet auf den Block „Weihnachtsstern 2005“ gestossen.

Jede leidenschaftliche Quilterin könnte schon die nächste Erfinderin eines neuen Blockes sein, vielleicht finden Sie schon neue Kreationen in dieser Adventszeit oder entwickeln gleich selber eine.

Fröhliche Weihnachten!

Benutzte Literathur:
1. „5500 Patchwork-Blöcke“, Maggie Malone
2. „Encyclopedia of Pieced Quilt Patterns“, Barbara Brackman
3. “The Quilter’s Block Bible: The Essential Illustrated Reference – 150 Traditional und Contemporary Block Designs”, Celia Eddy
4. Internet

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